Lieben und los lassen – Trennungen überwinden

Wenn man sich verliebt, glaubt man immer, dass es für die Ewigkeit ist, dass es nichts geben kann, was einen jemals auseinander bringen kann, und man auch in Jahrzehnten noch genau so empfinden wird wie im Moment. Aber nach spätestens zwei, drei Jahren kehrt der Alltag in eine romantische Beziehung ein. Man erkennt, dass der Partner doch nicht so ideal ist, wie man ihn sich in der ersten Verliebtheit vorgestellt hat und ist maßlos enttäuscht. Leute, die schon ein bisschen Lebenserfahrung haben, wissen, dass es in jeder Beziehung unweigerlich zu dieser Ernüchterung kommen muss. Oftmals heisst es dann, die bisherige Liebe ziehen zu lassen. Schließlich ist Verliebtheit ja eine Art der Projektion: Man sieht in einem andern Menschen die Eigenschaften, die in einem selbst noch darauf warten, entwickelt zu werden. Je reifer man wird und je mehr von dem man selber lebt, was man an anderen so bewundert, desto weniger romantischen Träumereien hängt man hinterher. Aber es dauert viele Jahre, bis man diese Zusammenhänge erkennt, und das Zerbrechen einer Beziehung ist deshalb nicht weniger schmerzlich, auch wenn man nun versteht, warum sie keinen Bestand haben konnte.
Man muss sich erlauben, um eine verlorene Liebe ausgiebig zu trauern, sonst kann sich eventuell eine handfeste Depression in Folge der Trennung entwickeln. Wenn in den ersten Monaten die Gefühle hoch kochen, ist das völlig normal, aber mit etwas Abstand zum Geschehen sollte man sich doch bemühen, das Positive in dem ehemaligen Partner zu sehen, ihm innerlich dankbar zu sein für alles Schöne und Gute, das man durch ihn erfahren hat, und ihn und sich selbst frei zu geben für eine neue Liebe. Aus den Erfahrungen der zerbrochenen Partnerschaften kann man viel über sich selbst lernen und sich zu einem Menschen entwickeln, der zu einer wirklichen Beziehung fähig ist.